Queer durch die Stadt

09.10.2016
Stadtrundgang zur lesbisch-schwulen Stadtgeschichte Mannheims

Lesbisch-schwule Geschichtswerkstatt Heidelberg-Ludwigshafen-Mannheim

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Ein Gastbeitrag von Cara Schwaab · 26.10.2016

Bronzener Stolperstein im Gedenken an den 1940 als Homosexueller verhafteten Herbert Klingmann
Der als Homosexueller verhaftete Herbert Klingmann verstarb 1940 im Alter von nur 36 Jahren im KZ Dachau

Neue Perspektiven bei lesbisch-schwuler Stadtführung

"Wieviele Frauenbuchländen gibt es noch in Deutschland, was meint ihr?", fragt Historikerin und Stadtführerin Ilona Scheidle in die kleine Runde, die sich bei Nieselregen vor der Xanthippe zusammengefunden hat. "Fünf", meint einer. "Drei", sage ich. "Stimmt leider genau", sagt Scheidle "Und die Xanthippe ist einer davon." Der kleine Buchladen, der 1978 von engagierten Feministinnen als Schutz- und Informationsraum für Frauen und Lesben gegründet wurde, existiert bis heute in den ursprünglichen Räumlichkeiten in T3, 4. Zusammen mit dem "Anderen Buchladen", der sich vor allem auf queere und linke Literatur spezialisiert hat, sieht Scheidle Mannheim im Vergleich zur gesamten Bundesrepublik gut aufgestellt.

Die Historikerin führt die Gruppe im Anschluss quer durch die Quadrate und gibt Einblick in bekannte und unbekannte Orte und Lebensgeschichten. So hält die Gruppe bei dem Stolperstein von Herbert Klingmann vor seinem ehemaligen Wohnhaus in F4, 17. Klingmann wurde als Homosexueller von den Nazis nach §175 verhaftet und ins KZ Dachau gebracht, wo er 1940 verstarb. Scheidle zeigt ein Foto von Klingmann zusammen mit seinen Eltern, mit denen er trotz seiner Homosexualität ein sehr gutes und enges Verhältnis gehabt zu haben schien. Es wäre schön, so Scheidle, mehr über das Leben Klingmanns zu erfahren, wie er als schwuler Mann in der damaligen Zeit lebte. Trotz intensiver Recherche in den Archiven ist es für Historiker jedoch oft schwer, Details über das Leben eines Menschen zu erfahren. Oft bleibt nicht mehr als ein Foto, ein Name – oder im Falle Klingmanns, ein Stolperstein.

Einen informellen Abschluss fand die Führung im Café Vogelfrei, dies kein explizit queerer Ort. Gegenüber jedoch, in derselben Straße, befand sich Jahre zuvor ein Café/Infoladen für lesbische Frauen – ein Ort, wie er in Mannheim und vielen anderen Städten heute fehlt.

"Die Stadtführung mit Ilona Scheidle hat mir persönlich sehr gut gefallen. Es war sehr spannend, die Stadt, in der ich nun schon einige Jahre lebe, auf eine neue, queere Weise kennenzulernen."

— Cara Schwaab

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