Flucht als Einzelschicksal

06.10.2016
Sag nie, dass du Angst hast

Freireligiöse Gemeinde Mannheim

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Text und Fotos von Hannah Bock, 27 Jahre; Videoschnitt von Deniz Ay, 18 Jahre · 24.10.2016

Zwei Frauen - jeweils mit eine mit Buch, die andere mit Gitarre - auf einer Bühne sitzend
Monika-Margret Steger und Christiane Schmied gestalteten die Lesung eindrucksvoll durch Vortrag und musikalische Begleitung

Das Buch "Sag nicht, dass du Angst hast" erzählt die Geschichte der somalischen Läuferin Samia, die 2008 an den olympischen Spielen in Peking teilnahm. Zwar kam sie als Letzte ins Ziel, erhielt jedoch trotzdem große mediale Aufmerksamkeit. In ihrer durch Bürgerkrieg zerrütteten Heimat erfuhr Samia anschließend keine Unterstützung mehr. Aufgrund der sich zuspitzenden Lage in ihrem Land und um ihren Traum von einer sportlichen Karriere zu verwirklichen, verließ sie Somalia. 2012 kam sie auf der Fluchtroute vor Lampedusa ums Leben. Der Autor Giuseppe Catozzella rekonstruierte Samias Geschichte anhand von Recherchen und Gesprächen mit ihren Angehörigen.

Die Lesung fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum Thema Fremdheit in der Freireligiösen Gemeinde statt. Der Veranstalterin Ute Kränzlein war es ein Anliegen, die Bilderflut an verunglückten Geflüchteten, die uns alltäglich erreicht, durch ein konkretes Einzelschicksal zugänglicher zu machen. Die lebhafte Darbietung der Leserin Monika-Margret Steger ebenso wie die nuancierte musikalische Begleitung mit Akustik- und E-Gitarre von Christiane Schmied machten die Lesung für mich zu einem sehr intensiven Erlebnis. Auch unter den anderen Zuhörer*innen war zu Ende der Darbietung eine große Betroffenheit wahrnehmbar und eine lebhafte Diskussion brach aus, über die so oft gestellte Frage, was wir beitragen können, um Fluchtursachen zu reduzieren.

Die Veranstaltung bot einen wichtigen Beitrag zu den Bündnisaktionstagen, da sie einen Blick aus Mannheim, aus Deutschland heraus eröffnete, auf das, was "wo anders" passiert, was Menschen bewegt, sich auf den Weg nach Europa zu machen, und auf das, was sie unter Umständen erleben bevor sie ankommen, falls sie ankommen. Sicher in Form eines Einzelschicksals, aber genau das machte das Gehörte so erlebbar und rief einem nochmal so unausweichlich das Ausmaß dieser aktuellen und schon so lange anhaltenden humanitären Katastrophe ins Bewusstsein.

Einen Einblick in die Veranstaltung bietet das folgende Video.

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